Kreativ-Messe in Stuttgart


Heiße Luft und wenig Kreativität …

habe ich auf der Kreativ-Messe in Stuttgart am Samstag erlebt. Die heiße Luft kam nicht nur durch die schlechte Belüftung der Messehallen. Leider. Denn ich hatte mir so viel erwartet von einer Messe die sich Kreativ nennt. Die Flyer und Ankündigungen im Netz waren ja auch vielversprechend. Vor allem, weil der Bereich Upcycling als Sonderthema der Messe ein besonderes Highlight sein sollte.

Upcycling fand vielleicht in Form einer Modenschau statt (irgendwas mit Plastiktütenkleider), die ich nicht gesehen hatte. Die paar Stände, die sich in der Halle 2 unter dem Motto „Selbstgemachtes aus altem Material“ zusammen taten, waren mehr ein Randthema denn ein Sonderthema . Gefallen haben mir die sehr einfallsreich designten Röcke aus (alten?) Oberhemden . Schön auch die Schmuckstücke aus Besteckteilen. Viele Taschen, häufig aus Reissäcken (wo die wohl herkommen?), gab es. Gürtel aus Fahrradreifen und Tische/Sitze aus Kronkorken.

Die Upcycling-Stände zeigten leider nicht, dass Ressourcen schonen auch im Kleinen funktioniert. Es fehlten mir hier die praktischen Stände, Tische zum Ausprobieren, wie man aus Verpackungsmaterial Schönes und Praktisches herstellen kann. Stände, die anregen, selbst aktiv und vor allem kreativ zu werden.

Ernüchtern aber war vor allem für mich, dass auf dieser Messe keinerlei Kreativität möglich war. Denn die Aktivstände, wo sich vor allem Kinder tummelten, boten ausschließlich vorgefertigte Basteleien an. Ob man aus Plastikringen in einer festgelegten Technik ein Armband zusammenknüpfte oder bunte Papierreste auf Plastikkugeln oder Papiermasse-Formen kaschierte, eigene Ideen waren hier gar nicht nötig.

Endlich verstanden hatte ich das Prinzip „Kauf mich und fühl dich Kreativ“, als mir eine nette Dame ihr innovatives Stempelsystem erklärte. Die alle so gleichartig wirkenden Ergebnisse des Scrapbookings mit ihrem System geben nämlich dem Bastler, bzw. der Bastlerin das Gefühl, etwas professionell wirkendes hergestellt zu haben. Dass sie dabei nicht mal die Farben selbst arrangieren muss, weil es extra Ton-in- Ton-Sets gibt, sah die Vertreterin als besonders praktisch an. Sogar den Farbauftrag muss die Kundin nicht selbst mühsam üben, sie nimmt halt den Stempel mit mehr oder weniger Farbfläche. Wie praktisch.

Ich hatte mir vorgestellt, auf dieser Messe viele neue Anregungen für meine zukünftigen Bücher und Kurse zu finden. Jetzt weiß ich nur, wie ich es besser machen kann. Und ich habe wieder einmal gelernt, dass es eben viele Menschen gibt, die dankbar sind, dass es bunt bedrucktes Papier, Schablonen und Stempel gibt, damit sie sich kreativ fühlen können, auch wenn sie es gar nicht sind.

Fazit: Eine Messe, die für mich genauso überflüssig ist, wie die meisten Kreativ-Zeitschriften. Konsumrausch statt anregender Ideen und innovativer Entwicklungen in Richtung Ressourcen schonendes Kreatives Tun. Schade!

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