Wie bereits vor langer Zeit angekündigt, möchte ich hier unter anderem von meinen Reisen mit dem Fahrrad erzählen. Seit etwa zehn Jahren radle ich mindestens einmal im Jahr ein paar Tage oder Wochen durch Deutschland oder etwas weiter weg. Ich nutze dafür mein Herkules-Trekking-Bike und übernachte überwiegend mit einem kleinen Zelt auf Campingplätzen. Bisher habe ich mir meist Flussradwege ausgesucht. Denn da gibt es wenig Steigung und viele Campingplätze. So bin ich z.B. an der Donau, Altmühl, Weser und Inn geradelt.

Im Mai 2023 habe ich mich zum ersten Mal an eine längere Radtour gewagt: den Rheinradweg von der Schweiz bis nach Holland.
Gestartet bin ich nähe Zürich und durch die Schweiz, Frankreich, Deutschland bis nach Holland geradelt. Es war ein Abenteuer, auch wenn ich stets in der „Zivilisation“ radelte. Mit dem Zelt im Gepäck erlebt man so einiges. Da gibt es Zeltplätze ohne Personal oder die in Karten gelisteten Plätze sind einfach gar nicht vorhanden. Einmal habe ich vorab einen Schäferwagen gebucht, der dann nicht frei war. Es wäre ein sehr einfacher Holzverschlag auf einem Kanuplatz gewesen. Als Ersatz durfte ich in einem wunderschönen, neuen Holzfass übernachten. Es roch nach Zitrusöl und Holz. Ich hatte einen wunderbaren Blick auf den Rhein und viel Platz.

Weil ich Anfang Mai unterwegs war, gab es noch sehr kalte Nächte (die Tage waren auch ziemlich kühl). Ich fror so sehr, dass ich über meine leichten Sommerschlafsack den Kunststoff-Regenponcho zog. So blieb die Wärme da wo sie sein sollte. Tags musste ich dann mit Wollsocken in meinen Trekking-Sandalen radeln. Ja, manchmal ist es echt peinlich, wie man sich kleidet bei so einer Tour. Aber frieren ist keine Option.

Ab und zu musste ich in Hotels übernachten oder in einer Jugendherberge. Die Preise sind für Alleinreisende übrigens immens. Einmal hatte großes Glück. Ich bekam ein Bett im Sechs-Bett-Zimmer, also eigentlich musste ich nur den Preis für ein Bett zahlen und durfte den gesamten Raum alleine nutzen. Ein anderes Mal landete ich etwas weiter Weg der Strecke in einem Familienbetrieb. Auf dem Weg dorthin lernte ich eine Frau kennen, die für Europa warb. Sie fiel mir auf, weil sie eine Flagge über den Schultern trug. Der Wirt des kleinen Hotels war sehr umständlich und bemüht. Das Zimmer altmodisch und nicht besonders komfortabel. Am Morgen wurde ich zum Tisch geleitet, wo die nette Europa-Frau saß, diesmal ohne Europaflagge. „Ich dachte mir, zwei alleinreisende Frauen haben sich sicher viel zu erzählen.“ Da hatte der Wirt vollkommen recht. Sie war Französin und so konnte ich neben meinem Englisch auch gleich mein Französisch etwas auffrischen.

Unterwegs versorge ich mich meistens selbst und gehe nur selten in ein Restaurant zum Essen. Lieber kaufe ich ein und koche mir etwas. Dafür habe ich einen Mini-Gaskocher dabei. Eine Edelstahlschüssel und eine kleine Pfanne ohne Stiel reichen als Kochgeschirr. Dazu noch eine große Tasse und Besteck.

Wie schön es ist, alleine zu reisen, verstehen meist nur Menschen, die das ausprobiert haben. Ich kann in meinem Tempo radeln. Ich kann jederzeit selbst entscheiden, wo ich hinfahre, wie lange ich fahre oder ob ich mir etwas ansehen möchte. Dafür muss ich mich nicht absprechen. Ein paar wenige Nachteile gibt es natürlich. Man kann sich nicht austauschen. Wo doch schöne Erlebnisse noch schöner werden, wenn man sie mit jemandem gemeinsam erlebt. Und man kann nicht einkaufen oder baden gehen, ohne sich Sorgen um das Rad und Gepäck zu machen. Immer muss man es irgendwo unbewacht stehen lassen. Aber daran gewöhnt man sich und sucht sich Orte, wo das funktioniert.

Das Schönste an der Reise entlang des Rheins waren einige kleine Momente wie z.B. das Frühstück in Frankreich. In einer Bäckerei direkt an einer Straße kaufte ich Croissant, Cappuccino und ein Pain èpi (ein Ährenbaguette). Das hat so unglaublich gut geschmeckt.

Die Radtour dauerte knapp drei Wochen. Ich habe viel gesehen und war stolz, es bis ans Meer geschafft zu haben. In Den Haag konnte ich dann sogar noch die Rushhour mit dem Fahrrad erleben. Da preschen unwahrscheinlich viele Räder gleichzeitig durch die Stadt. Und die wenigen Autos nehmen Rücksicht. Die Stadt ist wirklich spannend und einen Besuch wert. Vor allem gibt es interessante Architektur und Kunst zu sehen.

Die vielen anderen Großstädte am Rheinradweg haben mich allerdings weniger begeistert. Und weil ich mehr als die Hälfte der Tour Gegenwind hatte, war ich ständig ziemlich abgekämpft. So bleibt mir diese erste längere Fahrradtour nicht ganz so gut in Erinnerung. Aber ich habe dazugelernt: Nicht die Berge sind das anstrengendste. Gegenwind ist viel schlimmer.

Auch beim Radreisen ist der Weg das Ziel.
Kleiner Nachhaltigkeitstipp
Also lass dir Zeit und genieße jede Minute!
Hier gibt es Infos über den Rheinradweg und andere Euroveloradwege.
Und hier ein Buchtipp für Menschen, die ganz ohne Ehrgeiz per Rad unterwegs sein wollen.
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